Kurios🇨🇳China, China15. Februar 2026

Dalaotian: Warum eine Chinesin 140.000 Dollar ausgab, um wie ein Roboter auszusehen

In China wird Robotik so allgegenwärtig, dass echte Menschen anfangen, sich wie Maschinen zu geben. Die Influencerin "Daloatian" hat über 1 Million Yuan investiert, um sich optisch in einen Humanoiden zu verwandeln.

Die Umkehrung der üblichen Richtung

Normalerweise funktioniert es so: Roboter versuchen, menschlich auszusehen. Bei Dalaotian (钱冰, Qián Bīng, 30) ist es umgekehrt. Die chinesische Social-Media-Influencerin hat über 1 Million Yuan (etwa 140.000 US-Dollar) ausgegeben, um ihr Aussehen so zu verändern, dass sie wie ein humanoider Roboter wirkt. Nur Gesicht und Brust allein kosteten sie die 140.000 Dollar.

Ihre Followerzahl auf Douyin (Chinas TikTok): über 5 Millionen. Sie misst ca. 1,90 Meter, trägt einen silbernen Bodysuit, hellblaue Kontaktlinsen und einen kurzen Bob. Die Bewegungen sind mechanisch, die Mimik kontrolliert.

Video: YouTube

Die Hintergrundgeschichte

Dalaotian begann 2018 auf Douyin mit dramatischen Make-up-Transformationen. 2019 hatte sie mit einem Tutorial über kaputtes Make-up über 600.000 Likes. 2021 erschien sie in einer Estée-Lauder-Kampagne. Dann kam die schwere Zeit: 2023 öffentliche Trennung von ihrem Mann, 2024 gesundheitsbedingte Pause. Im Sommer 2024 kam sie mit der neuen mechanischen Ästhetik zurück — sofortiger Erfolg mit 1,2 Millionen Likes auf Douyin allein.

Das virale Dorf-Video

Im Februar 2025 kehrte Dalaotian in ihr Heimatdorf in der südwestchinesischen Provinz Sichuan zurück. Die Dorfbewohner waren verwirrt. Sie berührten ihre Arme, um zu prüfen, ob sie echt ist. Der Höhepunkt: Eine ältere Frau stellte ihr einen jungen Mann als potenziellen Ehemann vor — und Dalaotian brach ihre Roboter-Rolle zum ersten Mal öffentlich, lachte. Das Video bekam über 750.000 Likes.

Was das über die Gesellschaft verrät

In China ist die Grenze zwischen Maschine und Mensch durchlässig geworden. Dalaotian ist auf Events wie der World Robot Conference 2024 in Peking aufgetreten — an echten Robotern von Ex Robots vorbei, nicht zu unterscheiden. In Chongqing ahmt eine Hotpot-Restaurantbesitzerin ihre Bewegungen nach. Parallel läuft auf westlichen Plattformen der "NPC-Livestreaming"-Trend: Menschen, die sich bewusst wie Non-Player-Characters aus Videospielen verhalten.

Kritiker finden es problematisch: Wenn Menschen vorgeben, Roboter zu sein, entstehen falsche Erwartungen über echte Roboterfähigkeiten — mit Folgen für Investitionen und Forschung.

Der politische Kontext

China hat 2024 das nationale Ziel gesetzt: Massenproduktion humanoider Roboter bis 2025, Marktführerschaft bis 2027. Milliarden fliessen in chinesische Robotik-Startups. Dalaotian ist nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt viral gegangen — sie ist Teil einer kulturellen Umarmung humanoider Technologie, die in Europa noch undenkbar wäre.

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