NAD+-Infusionen und Injektionen gelten als Wunderwaffe gegen Alterung – doch die biologische Realität ist komplexer. Eine Analyse zeigt: Das Molekül kann kaum in Zellen eindringen, löst möglicherweise Entzündungen aus und wird großteils wieder ausgeschieden. Experten warnen vor unbewiesenen Versprechungen einer populären Anti-Aging-Methode.
NAD+ per Infusion: Wissenschaft widerlegt den Hype
Unsere Einordnung
Der NAD+-Hype zeigt ein klassisches Pattern der Longevity-Industrie: Eine biologisch plausible Idee wird zur medizinischen Wunderwaffe hochstilisiert, bevor die Machbarkeitsfragen gelöst sind. Dass der Hersteller selbst die Grenzen seiner Branche offenlegt, verdient Respekt – aber auch Skepsis gegenüber Alternativen, die derselbe Anbieter bewirbt.
Schlüsselfakten
- NAD+ hat im Blutkreislauf keine biologische Funktion – seine Wirkung entfaltet sich nur innerhalb von Zellen
- Das große NAD+-Molekül kann aufgrund seiner Struktur die meisten Zellmembranen nicht durchdringen
- Nach IV-Infusionen wird ein großer Teil des NAD+ schnell abgebaut oder ausgeschieden, statt in Zellen aufgenommen zu werden
- Mögliche Nebenwirkungen sind Bauchkrämpfe, Brustenge und Übelkeit durch die Entzündungsreaktion des Körpers
- Bislang existieren keine klinischen Studien zu NAD+-Injektionen – Sicherheit und Wirksamkeit sind wissenschaftlich ungeklärt